Das Neue Jahr ist erst vier Tage jung und damit noch unbeschrieben genug, um zumindest  die trügerische Hoffnung auf Realisierung der wichtigsten Vorsätze zu erhalten, wenn denn schon die Startschüsse dafür wegen des Restböllerlärms der letzten Tage überhört wurden. Aber warum sind gute Vorsätze eigentlich so anfällig für Misserfolge?

Seegras-web-i (2)

Nun ist nach Ansicht des Philosophen Jean Paul Sartre das Scheitern aller noch so hehren Vorsätze bereits dadurch vorprogrammiert, dass der Mensch an seine leeren Versprechungen eigentlich selbst nicht mehr so recht glauben mag. Zu oft ist er schon auf seine eigenen Worthülsen reingefallen. Er nimmt sich immer wieder vor, wichtige Änderungen jetzt endlich und vor allen Dingen zügig Wirklichkeit werden zu lassen und glaubt im Moment der stillen oder lautstarken Verkündung sogar daran.

… und lernt aus der eigenen Versagensgeschichte
Das Spiel wiederholt sich Jahr für Jahr wie das Bleigießen oder das ewige Stolpern des Komikers Freddie Frinton über den berühmten Tigerkopf und schließlich gleicht das Ende des guten Vorsatzes dem von Papphülsen abgeschossener Feuerwerksraketen im Schneematsch. In diesem Fall aufgeweicht durch Halbherzigkeiten und faule Kompromisse.
Um nicht an sich selbst zu verbittern, degradiert  sich der Mensch dann gerne zum „Running Gag“, der tragischen Figur, die immer wieder an dieser einen Stelle ihrer Charakterschwäche scheitern muss.

Sartre war vermutlich weniger von der Vergeblichkeit aller Silvestervorsätze inspiriert, als er dieses Thema in seinem Werk „Das Sein und das Nichts“ behandelte, als vielmehr von den Ursachen des Misslingens, denen er in der Natur des Menschen und seinen Lebensbedingungen nachspürte. Demnach liegt das Problem weniger in der Aufrichtigkeit der Vorsätze an sich, sondern am persönlichen Einstellungsmodus.

Vom kurzlebigen Vorsatz zum Langzeitprojekt
Statt sich selbst alle Jahre wieder unter die hausgemachte Knute des Vorsatzes zu begeben, könnte es zielführender sein, grundlegend Verantwortung für die Dinge im eigenen Leben zu übernehmen und daran zu ändern, was im eigenen Interesse einer Änderung bedarf. Damit bleibt letztlich die Idee vom guten Vorsatz erhalten, wird jedoch vom erdrückenden Nimbus des einmaligen Silvesterevents befreit und zu einem langfristigen und verbindlichen Projekt umgestaltet. In diesem Sinne: Auf ein Neues!

Mehr zum Thema

 

 

Die Illusion von der Erfüllung des guten Vorsatzes

Beitragsnavigation


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*